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Bilderfluten, Nachhaltigkeit und sinnvolle Veränderungen …

 

Bilderfluten, Nachhaltigkeit und sinnvolle Veränderungen …

 

Vogelhäuschen 2023 © Helge BOMBER Steinmann VG Bild-Kunst, Bonn 2023

Ab und an treibt es mich voran allgemeingültige Themen aufzugreifen und mich mit meinem Dasein mit anderen auszutauschen. Nennt man Kommunikation. Und ja, auch dieser Blog ist eben ein Teil dieser Kommunikation:

Momentan sind viele plötzlich nachhaltig, sogar Großkonzerne kleben überall das Schlagwort grün, nachhaltig, ökologisch bzw. bio etc. drauf, auch wenn Lieferketten, Verpackungen und vieles andere noch komplett dagegen sprechen. Aber gegen heere Ziele ist ja nix zu sagen …

Zu sehr aber sind wir in der Tauschwelt des blinden Konsums gefangen um sehen zu können, worauf es vielleicht wirklich ankommt. Uns selbst? Oder unsere Gewohnheiten und konditionierten Beeinflußungen seitens der Medien zu hinterfragen und zu ändern? Das scheint schlichtweg für die meisten anscheinend einfach nicht möglich. Zu viele Ausreden, wie Zeitknappheit, Familie und viele andere Umstände werden da in den Raum als Rechtfertigung geworfen. Und klar, wen interessiert schon der Komplex von 1,7 % der Weltbevölkerung?

Wer mich kennt, weiß daß es für mich selbst als Künstler und Designer (oftmals leider immer noch ein Schimpfwort im Land der Förderungskultur, der Pädagogik und der ängstlichen Angestellten) den Begriff des Mülls nicht gibt. Zu sehr verwende ich Dinge wieder oder zweckentfremde sie. Wer einen Blick in mein Atelier wagt, sieht das im Chaos Sinn steckt und Wiederverwertung für mich schon seit sehr langer Zeit das Normalste überhaupt darstellt …

Nichtsdestotrotz wundere ich mich, daß selbst aus dem vermeintlich grünen Trend ein in digitalen Netzen und als Werbekampagnen laufender Wettbewerb wird: Wer ist am Nachhaltigsten und ökologisch wertvollsten bzw. Resourcenschonensten? Das wir mit diesem schicksalhaften Nichtabkoppelnkönnen der Selbstdarstellung den massiven Stromverbrauch noch unfassbar mehr anheizen scheint in der Krux der Sache zu liegen und scheint sich in der massiven Neubebauung durch sehr große Serverfarmen allüberall widerzuspiegeln.

Es gibt kein Entkommen … und Deutschland wird sich und die Welt nicht retten können. Was also tun in einem Land in dem sogar bei Regen mit Laubbläsern das Laub auf Wiesen unter den Bäumen als ABM umverteilt wird (gerade tatsächlich bei uns vor der Haustüre passiert). Wo endet dieser Wahnsinn oder mutiert er einfach nur in den nächsten?

Wer es noch nicht bemerkt hat, zumindest mir geht es so … in meiner Umgebung scheint alles in Fahrzeugen und Baustellen zu ersaufen … und das nicht erst seit gestern. Sondern seit ca. drei Jahren. Vermutlich ist es aber in vielen Ballungszentren so. Was sagt mir das? Auch das Kommunikation und ein Zeichen der Zeit. Zeit hat Zeichen? Nein, Menschen handeln und das ist das Ergebnis. Was an privaten Tauschgeschäften passiert scheint Auswirkungen auf unser aller Umfeld zu haben …

Wie steuert man einen Zug, der mit Vollgas einfach immer weiter fährt, obwohl es offenbar völlig ersichtlich und offensichtlich scheint, daß ein ständiges Wachstum nicht im Sinne eines sinnvollen Fortschritts und Weiterkommens der menschlichen Gesellschaft, aber auch aller anderen Spezies auf diesem Planeten darstellt?

Ich höre immer, wir müssen dankbar sein. Das bin ich ganz sicher sogar. Für mich käme es nie in Frage protziges Eigentum zu erwerben um mich selbst zu überhöhen, sofern es noch viele Menschen gibt, denen es richtig Scheisse geht. Überhaupt wundert es mich immer, wie viele moralische Zeigefinger verstummten, die mir früher Sachbeschädigung vorwarfen und jetzt erkennen, daß mein Handeln alles andere als das darstellt. Die Sachbeschädigung wird ja vorrangig durch Konzerne und uns alle vorgenommen. Eine Haftung findet kaum statt, da unser gesamtes System kein wirkliches Verwertungssystem darstellt. Zu sehr hängen wir an den Regularien der Verwaltung und des Tauschs.

Tausch, allerdings ohne wirkliche Entsorgungskonzepte. Heutzutage Entsorgen heisst immer noch die drei großen V’s zu bedienen: Verbrennen, Vergraben, Verklappen. Unser täglich Tausch im Supermarkt bedeutet immer noch einen Riesen-Abfallberg zu etablieren, der vernünftigerweise wirklich veränderbar wäre. Eine Strategie wäre z.B. Konzerne sollten für ihre Produkte nach dem vollzogenen Tausch (dem Kauf) Verantwortung übernehmen und die Verpackungen zurücknehmen bzw. wiederverwenden bzw. das Produkt oder das was davon übrigbleibt annehmen. Der gesamte Ablauf würde sich ändern. Viele würden umdenken. Nicht nur beim Produzieren, sondern auch beim Kauf selbst. Denn der tatsächliche Preis ist doch erheblich höher wenn wir die Umweltkosten miteinbeziehen. Würden Unternehmen so zu Rechenschaft gezogen, wie z.B. wilde Graffitisprüher, wir hätten nicht nur noch mehr Verfolgungsbehörden – ein echter Albtraum – sondern eine komplett andere Wirtschaftspolitik.

 

Vor einem Schalter stehen: das ist das deutsche Schicksal. Hinter dem Schalter sitzen: das ist das deutsche Ideal. Kurt Tucholsky

 

 

Deutschland (das ist ja für jeden auch etwas komplett anderes), besser ausgedrückt; Deutschlands etablierte SUV-Fahrer bestehend aus vielen überbezahlten Titel- und Bedenkenträgern möchten auch keine Selbstständigen und Start Ups. Wer dem entgegenhält, der hat hier noch nie ein Unternehmen gegründet bzw. geführt. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Und die offensichtlich von Bund und Ländern medial präsentierten Gegenbeispiele halten oft nur durch Förderungen oder Klüngelei im Hintergrund länger als wenige Jahre durch. Oder wie viele erfolgreiche Neugründungen die länger durchhalten kennen wir? (Freue mich über langfristige und unabhängige Gegenbeispiele). Um dafür ein Umfeld zu schaffen, müssten sehr viele Regularien und viele andere Punkte geändert werden, die aber auch nicht im geringsten Sinn geändert werden (analog zu vielen anderen Bereichen, die anscheinend nur seeeeehr langsam angegangen werden). Zu sehr sitzen hier alte Seilschaften, Gewohnheiten und andere sattgefütterte Institutionen an den neuralgischen Knoten, die nicht geöffnet werden sollen.

Und: Noch immer herrscht das Bild des absolut autonomen, immer flexiblen, endlos kreativen, finanziell und emotional unabhängigen, ständig überall verfügbaren und von allen einschränkenden Umständen befreiten Künstler vor. Dementsprechend ist hier der Kultur- und Kunstbetrieb organisiert. Anträge müssen fertige Konzepte vorweisen, ohne eine Sicherheit zu haben, dass auch tatsächlich Geld fließen wird und fast immer stimmt die tatsächlich investierte Zeit nicht mit den letztlich durch das Projekt verdienten Geld überein. Das Argument, was dann häufig greift, ist immer wieder »alles für die Kunst« und, dass es sich hierbei eben nicht nur um einen Beruf, sondern um eine Lebensentscheidung handelt. Meiner Meinung nach völlig an der Realität vorbei und einfach nur unfassbar weltfremd.

In dem Sinne: Jedem sein Mercedes SUV oder den Porsche E-SUV … lol.

Aktive Kunst / Art Vivant

Lichtkunst live … 30 Jahre Stadtmuseum Hofheim

 

Lichtkunst live … 30 Jahre Stadtmuseum Hofheim
 

Projizierte Lightpaintings und Lichtgraffiti im öffentlichen Raum zusammen mit dem Publikum bei jeder Aufführung improvisiert und spontan neu gestaltet.
Nach mehreren Luminale Teilnahmen in Frankfurt und Offenbach, Winter Lights London und diversen Buchungen im In- und Ausland, wie dem Primavera Festival für Seat in Barcelona, Waiblingen, Solothurn und Basel ist es mir eine wahre Freude einen Termin für eine öffentliche Veranstaltung bekannt zu geben. Zum Jubiläum 30 Jahre Stadtmuseum Hofheim am Samstag, den 25.11.2023 werden Marcel Panne von Lichtfaktor und ich auf dem Ludwig-Meidner-Platz in Hofheim am Taunus Lichtkunst inkl. Sound vorführen.
Zuschauer dürfen nicht nur konsumieren sondern selbst auch ausprobieren.
Hier ein kurzer Funktionstext, sozusagen FAQs des Lichtmalens: Wir laden dich ein mit Licht auf die Fassade des Stadtmuseums Hofheim zu malen. Dafür haben wir unterschiedliche Lichtquellen vorbereitet, am besten machst du dich kurz mit den Lichtquellen vertraut und schaust wo die An/Aus Taste sind. Wenn du die Taste nur leicht drückst geht das Licht aus sobald du wieder los lässt, so lässt sich am besten damit malen. Wenn du die Taste durchdrückst bis ein „klick“-Geräusch zu hören ist, bleibt sie an bis du die Taste erneut drückst. Wichtig ist, dass du die Lampen nicht auf die Fassade richtest, sonder von ihr weg in den Raum, sobald du sie verdeckst und die Kamera dein Licht nicht sieht, funktioniert es nicht. Wir empfehlen seitlich zu malen, so verdeckst du das Licht nicht mit deinem Körper. Denk daran die Lampen auszumachen oder mit deiner Hand zu verdecken wenn du nicht malen willst, es ist nicht möglich etwas zu löschen. Heller als Weiss wird es nicht, lass uns wissen wenn du ein neues Bild starten willst und vergiss nicht ein Foto von deinem Meisterwerk zu machen bevor wir mit einem neuen Bild zu Beginnen. Wenn dir was nicht klarsein sollte, sprich uns einfach an, wir helfen dir gerne weiter. Hier noch ein kleiner Tipp: du kannst sehr präzise an der Wand malen aber dich auch frei im Raum mit der Lichtquelle bewegen, das bringt deiner Zeichnung mehr Perspektive und Dynamik. Viel Spass beim Lichtmalen.
Start ist ab Einbruch der Dunkelheit, ab ca. 19:30 Uhr.

 

Light art live… 30 years of Hofheim City Museum

Projected light paintings and light graffiti in public spaces improvised and spontaneously redesigned together with the audience at each performance. After several Luminale participations in Frankfurt and Offenbach, Winter Lights London and various bookings at home and abroad, such as the Primavera Festival for Seat in Barcelona, ​​Waiblingen, Solothurn and Basel, it is a real pleasure for me to announce a date for a public event . For the 30th anniversary of the Hofheim City Museum on Saturday, November 25th, 2023, Marcel Panne from LichtFactor and I will be presenting light art including sound at Ludwig-Meidner-Platz in Hofheim am Taunus.
Here is a short functional text, FAQs of light painting: We invite you to paint with light on the facade of the Hofheim City Museum. We have prepared different light sources for this. It is best to briefly familiarize yourself with the light sources and look where the on/off buttons are.
If you press the button lightly, the light goes out as soon as you let go, which is the best way to paint with it. If you press the button until you hear a „click“ sound, it will stay on until you press the button again. It is important that you do not point the lamps towards the facade, but away from it into the room as soon as you press them If you cover it and the camera doesn’t see your light, it won’t work.
We recommend painting from the side so you don’t cover the light with your body. Remember to turn off the lights or cover them with your hand if you don’t want to paint, it’s not possible to delete something. It won’t be brighter than white, let us know if you want to start a new picture and don’t forget to take a photo of your masterpiece before we start with a new picture. If something isn’t clear to you, just tell us We’ll be happy to help you. Here’s a little tip: you can paint very precisely on the wall but also move freely in the room with the light source, which gives your drawing more perspective and dynamism. Have fun painting with light.
Viewers are not only allowed to consume but also try things out for themselves. The tour starts at dusk, around 7:30 p.m.

 

© Photos: Marcel Panne, Köln. © VG Bild-Kunst, Bonn/Helge Steinmann, Hofheim
#lichtfaktor #atelierbomber #bomber #30jahrestadtmuseumhofheim #hofheimamtaunus #lichtkunst #lightart
Aktive Kunst / Art Vivant

Saure Gurkenzeit

Saure Gurkenzeit

Sommer, Sonne, Saure Gurkenzeit …: Während die von uns Steuerzahlern finanzierte so genannte geistige Elite und deren Diener, die Angestellten/Beamten Urlaub vom Urlaub vollziehen, holt die Presse das Dauerthema für die verödeten Sommermomonate für die Zurückgebliebenen (die nicht in die Ferien fahrenden) aus dem Archiv: Graffiti. Glücklicherweise durften wir alle diesmal von der Klischeefrage »Graffiti: Kunst oder Sachbeschädigung/Vandalismus?« verschont bleiben.
Was sich in der kleinsten deutschen (aber unfassbar mächtigen) Metropole Frankfurt hinter den Kulissen zum o.g. Thema abspielt, davon bekommt man kleine Happen schon zu Gesicht bzw. Informationshappen angefüttert. Die HfG positioniert sich mit Heiner Blum, das neu bezogene MassifCentral und auch einige andere Player erwarten schon Möglichkeiten-möglicherweise auch Förderungen. Hera von Herakut wohnt wieder in Frankfurt erfahren wir hier und hat viel vor … Und auch das Journal möchte einen Journal Jam initiieren.
Ich danke Meike Spanner für den netten Artikel im aktuellen Journal Frankfurt (dem Nachfolger des »Pflasterstrandes«) 08/2023, der leider stark gekürzt wurde. Dafür ist ein zweiter Teil wohl Anfang 2024 geplant: https://www.journal-frankfurt.de/journal_news/Stadtleben-2/Titelstory-Graffiti-40-Jahre-Graffiti-in-Frankfurt-Das-sind-die-Pioniere-41220.html
Weil die Fragen so gut waren und ich mit den Antworten, gerade zur Kulturpolitik auch recht zufrieden war, veröffentliche ich hier den Rest:
Interviewfragen an Helge Bomber Steinmann
von Meike Spanner, Journal Frankfurt
für die Titelstory „Graffiti in FFM“ (Arbeitstitel)
Ausgabe Aug. / 2023
1 ) Kannst du dich noch dran erinnern, wie du das erste Mal (oder einer der ersten Male) mit der Sprühdose losgezogen bist? Wie hat sich das damals angefühlt?
Die Frage ist zwar seltsam, da die einem Street Artisten bestimmt niemals gestellt werden würde, aber ich bin ja stolz auf meine wilde Vergangenheit, denn das tatsächliche wilde Rausgehen halte ich für die eigentliche Kunst. Und klar erinnere ich mich gut. Das hat sich super angefühlt. Echte Freiheit-wirkliche Macht. Das begründete nicht nur für mich, sondern auch für viele andere damals, das Aufbegehren und den Protest gegen eine Gesellschaft, die ich heute oft immer noch nicht so akzeptieren möchte, wie sie nun mal ist-vor allen Dingen in Deutschland.
Ich verstehe auch heute, daß viele dass einfach noch wild weiter vollziehen und auf Fame innerhalb der „normalen” Bevölkerung wenig bis keinen Wert legen.
2 ) Du hast ja Mitte der 80er mit dem Thema Graffiti / Stylewriting begonnen – wie ich nachgehört und nachgelesen habe – inspiriert durch z.B. Kinofilme und Vorbilder aus den USA. Hip Hop und Breakdance spielten eine große Rolle. Stimmt das so? Wie ging das los?
In den späten 80ern gab es kein Internet (zumindest nicht für uns Bürger) und damit auch keinen wirklichen Wissenstransfer über das Thema Graffiti. In Musikvideos und Kinofilmen waren immer mal Pieces oder Tags zu sehen. Auch ThrowUps auf LKWs und Fright Trains waren in Krimis zu sehen und immer war Graffiti verknüpft mit Crime/Verbrechen: Ein Mord? Sicher im Background ein Graffitipiece. Eine Schießerei? Im Hintergrund ganz sicher Graffititags. Es war wie ein pauschalisiertes Dogma. Erst durch den Hype der uns Anfang der 80er Jahre als Teil der Hip-Hop Kultur verkauft wurde (ohne das man tiefer auf die Struktur und das Handling/Learning einging) wurde dieses Klischee zumindest teilweise aufgeweicht. Auch heute noch fragen Kids ihre Eltern, wenn sie an mir vorbeilaufen: „Darf der das?”
Wie wir heute wissen, war das anscheinend alles ein netter Marketinggag um weltweit einen Abverkauf zu generieren bzw. eben diese so genannte Hip Hop Kultur auf weltweit alte Kulturen aufzupfropfen.
Nach der Prämisse, wer keine Idee für sein Leben hat, besorgt sich eine Familie und Immobilien, agieren viele professionelle Graffitikünstler bis heute. Aus allen Schichten und aus allen Ländern hat es meist junge Menschen damals bis heute angespornt ihre Umwelt mitzugestalten. One World, One Nation, One Place … One Love. Tatsächlich geht Graffiti viel um Liebe und Freiheit.
So revolutionär war die Idee, daß sie seit über 50 Jahren ein Bestandteil der weltweiten Kulturen geworden ist.
Bei mir ging das auch ganz banal los: Meine Mutter sah den Film „U-Bahn Bilder und verrückte Beine” (heute ist der Bericht als Stylewars bekannt) nachts im ZDF und riet mir ihn sich anzuschauen. Ich fand es erst ziemlich unsinnig, aber dann ging mir der Song daraus nicht mehr aus dem Kopf, sodaß ich ein paar Tage später versuchte ihn in Sulzbach im Radio Diehl im Main-Taunus Zentrum auf Schallplatte zu kaufen. Der Verkäufer kannte den Track nicht. Es war „The Message” von Grandmaster Flash & the furious five. Unvorstellbar heutzutage …
Danach ging es recht schnell, daß ich aus dem Ölkeller meiner Eltern Farbsprühdosen nahm und die Rückseite der Nachbargarage besprühte. Mittlerweile gab es die Breakdance-Welle und den Film Beat Street. Mein gesprühtes Motiv war das Beat Street Logo. Vorher hatte ich schon einiges auf Papier geübt und hatte eine Art Throw Up (Bubblebuchstaben) des Wortes Freeze auf einigen Fassaden des Ortes gesprüht.

 

3 ) Später hast du dir dein Studium durch erste Auftragsarbeiten finanziert, es gab Anfragen. Wie hat es sich schließlich entwickelt, dass du dann „der Erfinder der buchbaren Graffiti-Kunst“ geworden bist?
Das kam daher, daß ich anfangs meine künstlerischen Materialien so besorgen musste, wie ich es nicht für richtig hielt und mich daher als Gestalter an die Industrie und Firmen wandte.
Schon vor und während des Kommunikationsdesign-Studiums an der FH Darmstadt, daß ich 1990 begann, hatte ich diverse Auftragsarbeiten auf Fassaden und Indoor geschaffen.
Dann kam eben eins zum anderen und ich gründete mit einigen Werbern die weltweit erste Agentur, die Graffiti professionell anbot: Oxygen – the Art Agency, 1995. Leider viel zu früh, da wir den Markt erst schufen, u.a. mit den ersten wirklich nutzbaren Farbranges von Sprühkünstler für Sprühkünstlern: Belton-Oxygen, die heute noch im Vertrieb von Belton durch Belton Molotow existieren-ohne das ich davon wirklich einen Vorteil hätte.
Durch die Anfrage eines Journalisten, der vorher beim Magazin Stern arbeitete, hatten wir einen dreiseitigen Artikel im Magazin Der Spiegel, daß weltweit ein unglaubliches Medienecho erfuhr. Es kam u.a. ein Kamerateam aus Finnland und aus Russland, daß mehrere Tage drehte. Wir waren bei der RTL-Nachtshow mit Thomas Koschwitz, Schreinemakers und vieles andere. Printmagazine berichteten ohne Ende.
Seit dem hat sich viel getan und Graffiti dreht sich nach wie vor um die Pole Wert und Tausch. Beides vollzieht sich gesellschaftlich aktiv, also innerhalb unseres gemeinsamen Raums, des so genannten öffentlichen (oder privaten-privare=beraubten) Raums.
Durch wilde Stylewritings, respektive Tags, Throw Ups und Pieces, aber auch Stencils/Schablonengraffiti, so genannten Pochoirs wird ein Tausch nicht vollzogen, sondern der Akt vollzieht sich rein rechtlich als Nötigung bzw. als Geschenk. Der Akteur/Künstler/Mensch/Anfänger/Profi bringt (rechtlich: nötigt) auf die wie auch immer geartetete Oberfläche seinen Ausdruck, seine Kunst auf. Dies hat erstmal rechtlich die Konsequenz der Verletzung der Oberfläche, den Hausfriedensbruch (bei Privatraum) und der Sachbeschädigung, da ja der Eigentümer der Fläche nicht befragt wurde, nicht ausfindig machbar war. Dies darf erstmal keinen Wert haben. Nichtsdestortrotz hat es den aber doch, künstlerisch und verwertungstechnisch. Tatsächlich berühren sich Straf- und Urheberrecht nicht, sodaß einer weiteren Nutzung von wildem Artwork nichts im Wege steht. Dazu habe ich schon einiges erlebt.
Was der Mensch macht, ist ja aus allem was auf der Erde vorkommt, ein Produkt zu generieren. Unser kreativer Schaffensdrang geht so weit, daß wir sogar aus uns selbst mittlerweile Produkte machen. Wir selbst sind das Produkt-z.B. im Digitalen, so genannten sozialen Netzwerken. Die Oberfläche dieser gedachten (realen) Welt wird markiert durch Graffiti. Und da sind wir schon beim Ursprung des Wortes Marke: Markieren.
Kann man etwas nicht besiegen, macht man es kompliziert oder versucht Geld als Problemlöser einzusetzen. Dies auch bei dem so genannten Problem Graffiti. Von uns allen bezahlte Institutionen, die Verwaltungen möchten alles richtig machen und machen damit alles falsch. Dem Beamtentum, daß mir als Bürger dienen soll und das sich massiv selbstbedient und mit jeder Anforderung noch mehr vergrößert, wie ein Tumor wünscht sich alles negative auszumerzen und ins Positive zu verkehren. Nochmals; wenn alles positiv sei, wo ist dann das Negative? Und geht das überhaupt? Züchten wir uns da nicht eine Chimäre, die etwas verspricht, daß sie nicht halten kann?

 

4 ) Gab es auch einen Konflikt, quasi aus dem Untergrund aufzutauchen? Die schützende Anonymität aufzugeben könnte ja auch dazu führen, dass man sich entscheiden muss: also ob man nun ein Künstler mit bekanntem Namen und Aufträgen sein will oder weiterhin bei „Nacht und Nebel“ Graffiti in der Illegalität sprüht. Gab es diese Entscheidung oder ging beides? Oder war es – im Gegenteil – gerade das Ziel, sich nun endlich und auf innovative Art legal ausagieren zu können?
Nein, innerhalb der Graffiti-Stylewritingbewegung gab es das nur anfangs und auch nur von denen, die keine Ahnung hatten. Die Frage der Realness stellte sich da kaum, da jeder Eingeweihte wusste, was ich z.B. wild gestaltete. Im Gegenteil. Viele folgten meinem Beispiel und schufen selbst Agenturen oder begannen sich anzubieten. Ich erfand ja mit anderen zusammen den Begriff der Graffiti-Agentur/Street Art Agentur.
Zukünftige Generationen werden eventuell keine schützende Anonymität mehr kennen, denn wir erleben die Auflösung der Privatsphäre und es ist eine Frage der Zeit bis die so genannten „sensiblen” Daten von Konzernen genutzt werden. Viele wissen nicht, daß nicht nur dass z.B. das hessische Innenministerium Daten aus so genannten sozialen Netzwerken kauft. Wofür dann also noch den schwammigen Begriff Datenschutz? Wie ich schon mehrfach beschrieb ist wildes Graffiti das Zünglein an der Waage. Wenn es das nicht mehr gibt, haben wir eine komplett überwachte Gesellschaft. Bestes Beispiel: London, alle fünf Meter CCTV- mit Kameraüberwachung. Wenn alles so genannte Negative eliminiert ist, wie soll man dann noch die Positivität erkennen?
Weiterhin stellt ja die Rolle von Graffiti im öffentlichen Raum ein Medium dar; der öffentliche Raum ist eben das älteste Medium der Welt. Daher von Illegalität bzw. Legalität zu sprechen ist ja ein Widerspruch in sich, denn das bedeutet ja, daß wir die Deutungshoheit darüber zu bestimmen einer bestimmten Klasse von Menschen geben, die uns gesetzlich einen Rahmen erklärt, was als Medium dienen darf. Mit dem Ergebnis eines vermeintlich kontrollierten Informationsflußes.
Viele von uns, wenn nicht gar alle sind auf Tausch bzw. Handel konditioniert, ebenfalls auf Sauberkeit (ruhige Flächen suggerieren und bringen auch Sicherheit) und Gehorsam.
Auch hier darf wieder etwas nicht sein, was nicht sein darf.

 

5 ) Wenn du dir die Entwicklung der Szene und deine eigene Geschichte anschaust – insbesondere bezüglich Graffiti hier in Frankfurt: was würdest du sagen sind die wichtigsten Veränderungen seit den Anfängen bis heute?
Erstens, es gibt keine Szene, sondern nur Menschen, die es tun. Das Thema ist einfach zu groß und zu weitläufig. Drittens: Was verstehst Du unter Graffiti? Artwork mit der Farbspühdose? Murals? Tagging? Viertens: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Es ist ganz einfach Kultur.
Fünftens: Es ist die Einführung von diversen Innovationen, gesellschaftlich einwirkend, räumlich gestaltend. Die Zweckentfremdung der Farbsprühdose als Gestaltungsmittel und/oder Protestwerkzeug wären Themen, die jede für sich einen eigenen Bericht wert wären.
Sechsten jedes Kaff in Deutschland hat jetzt mindestens einen konditionierten und geläuterten Sprayer/Sprühkünstler der von Magistratsseiten gepampert wird und vorrangig eingesetzt wird um Präventivkitsch zu produzieren (Tatsächlich nehme ich mich da nicht aus.)
Siebtens: Liest oder zitiert man oft Artikel über Graffiti, dreht es sich fast immer um Jugendkultur. Nach über 40 Jahren nur alleine schon in Deutschland ist das absolut obsolet. Alleine das Wort Jugendkultur ist so unfassbar ausgereizt und lächerlich, daß ich mir nur noch an den Kopf greifen kann. Heutige Jugendliche halte ich an desinteressiert an Jugendhäusern und ähnlichen Einrichtungen. Sie sind viel mehr emanzipiert und eigenständiger als wir das früher waren. b.)
Street Art Führung und einen Verein dafür oder zumindest eine sozial-bzw. kunstpädagogische Jugendeinrichtung im konträr einzuwirken und um Kids zu kanalisieren/steuern.
Weiterhin um mal beim Wilden zu bleiben, hat sich auch hier die Fußball-Hooligan-Bewegung, die in Italien startete über das althergebrachte Stylewriting aufgepropft. Dort werden statt Crews, die Fußballvereine supported und die Ästhetik des Stylewritings genutzt und/oder konterkarikiert, teils ohne die dazugehörige Kultur zu kennen oder zu respektieren. Teils überschneidet sich das, vermischt sich, teils trennt sich das von der klassischen Stylewriting-Kultur.
Bei Auftragsbezogenen, so genannten legalen Graffitis, haben wir auch Moden und viel Präventivkitsch oder popkulturelle Ästhetiken, die je nach Zeitgeist komplett austauschbar sind. Da ist dann das Werkzeug Farbsprühdose auch nur noch ein Werkzeug wie der Pinsel oder der PC.
Meine Rolle in dem Ganzen ist der Ursprung des professionellen Graffiti-Artworks, nicht nur in Frankfurt zu sein, sondern sogar Deutschlandweit-siehe Oxygen-the Art Agency, bei dem wir die erste Riege der deutschsprachigen Writer mit dabei hatten.
Bevor ich begann in Frankfurt wild zu sprühen, fiel mir nur Zip auf, eine Crew, die viele Brücken und Flächen wild gestaltete ohne die Konstruktion des eigentlichen Stylewritings wirklich je zu beherrschen und auch technisch kamen sie teilweise leider nicht über das so genannte „Toy”-Stadium hinaus.
Auch international habe ich früh Kontakte ge- und verknüpft. So war ich früh und oft im damaligen deutschen Graffiti-Mekka München, sehr oft in Paris und veranstaltete zwei der größten Hip Hop Jams, den Sping Jams 1 und 2 mit beigefügter Graffiti-auf Leinwand Ausstellung, zusammen mit einem befreundeten DJ Cutmaster GB aus dem Funkadelic und dessen Frau Barbara.
Stichwort Förderungskultur: Nicht nur mich wundert es aber massiv, wie unverschämt stiefmütterlich bzw. absolut ignorant so genannte Frankfurter Kunst- und Kulturinstitutionen (Städel, MMK, Kulturamt etc. ) mit uns als kunst- und kulturschaffenden Urhebern umgehen. Hier laufen perfide Konstruktionen ab um unser aller öffentliche (schönes Wort) Gelder in die „richtigen” Stellen fließen zu lassen.
Hier darf einfach nicht das sein, was da sein möchte. Bestes Beispiel: Mit vielen anderen Artists und Politikern (u.a. Omid Nouripour) gründeten wir 2004 den Verein Einwandfrei-Verein für Kunst im öffentlichen Raum e.V., dessen Ziel es war über Graffiti/Stylewriting etc. aufzuklären und sich für den Schutz der Artworks/Wandbilder und Bildwelten einzusetzen, eben auch der wilden. Ich waren deren Vorsitzender. Das erste was das Finanzamt Hofheim dazu tat, war uns die Gemeinnützigkeit zu entziehen. Eine Sachbearbeiterin hatte Zeit 20-Din A 4 Seiten aufzusetzen, warum Graffiti/Stylewriting keine Kunst sei und daher auch nicht gemeinnützig.
Und das ist stellvertretend was in Deutschland passiert-diese Aussage trifft leider nicht nur das das Thema Graffiti zu. Die eine Seite der Bevölkerung die mündig, selbstständig und selbstverantwortlich handeln möchte wird nicht gelassen, die andere Hälfte wird in dem Glauben gelassen, die Verwaltung/der Staat kümmert sich schon um alles. Zu sehr versteckt man sich dann nur zu gerne hinter Paragrafen, Regulativen und Vorgaben, statt einfach mal fünfe gerade sein zu lassen. Und Tatsache, mit jeder angeblich neuen Anforderung wird der Verwaltungswasserkopf noch größer (der Bürger möchte das so … ).
Dazu hier mal ein Text, den ich neulich als Online-Beitrag verfasste:
”Kultureller Wandel bedeutet Bewegung und Veränderung. In den letzten 77 Jahren war der amerikanische Einfluss darauf in Deutschland enorm, auch wenn der eine oder andere zweifelt, ob es sich überhaupt bei amerikanischer Kultur um etwas Erbauendes handelt, sozusagen ein Widerspruch in sich. Einige gehen noch weiter und sehen eine imperiale Verschwörung, neoliberale Kolonialisierung und Unterdrückung am Werk. Rock’n’Roll, Pop, Hip-Hop, Hollywood, Comics, Computerspiele und Internet. Coca-Cola, McDonalds, Disney, Amazon und facebook – you name it. Jedes für sich eine Bedrohung des Abendlandes und in jedem Fall jenseits des guten Geschmacks. Amerika ist anspruchs- und niveaulos, einfach, kommerziell und billig, vielleicht sogar egalitär und damit gerecht(er)? Irren Millionen Menschen in Deutschland? Geben sie tatsächlich freiwillig Geld und Zeit für Unsinn aus, ohne es zu merken?
Die Antwort lautet „ja“. Und zwar für alle, die meinen, sie könnten beurteilen, was für andere gut und schlecht ist. Kultur ist in Deutschland immer noch vor allem eines: Staat. Kulturstaat. Und in seinen Institutionen und Verwaltungen wird darüber entschieden, was Kultur ist und was nicht. Ein Hort von Qualität, Bildung und Wissen. Dem Wahren, Schönen und Guten verpflichtet, zugänglich und nutzbar für wenige und teuer bezahlt von allen. Aber können oder besser wollen wir uns diese „Fürsorge“, diesen Ablasshandel eigentlich noch leisten?
Sofern steuerlich hoch subventionierte Opern, Theater, Kunstmuseen und der größte öffentlich-rechtliche Rundfunk der Welt wirklich unverzichtbar für unser Zusammenleben und Dasein sind, könnte dies doch auch vor allem privat organisiert und damit neu legitimiert werden. An Unterstützenden für Hochkultur und Qualitätsjournalismus, die aus freien Stücken zahlen, sollte es doch nicht mangeln. Wie zum Beispiel in den USA – kulturelle Vielfalt und Demokratie haben sich dort jedenfalls im historischen Vergleich nicht nur als progressiver und stabiler herausgestellt, sondern als Stabilisator für unser Gemeinwesen.
Wieder ein bisschen mehr Amerikanisierung würde uns darum nicht schaden. Gegebenenfalls könnten sogar innovative Unternehmen und nachhaltige Arbeitsplätze entstehen. Ganz zu schweigen von möglicherweise mehr Wahlmöglichkeiten und Liberalität. Mir ist auch klar, dass dies nicht vom Himmel fällt. Wir müssten vermutlich auch aushalten, dass autoritäre Bewegungen sich ebenso einfacher organisieren könnten. Aber ist das nicht seit Jahren mittels sozialer Medien sowieso schon Realität?
Resilienz ist neuerdings gefragt. Ehrlicherweise geht es um Verteidigung. Ungewohnt, weil bislang praktischerweise ausgelagert an unsere amerikanischen Freunde. De facto ermöglichte dieser Umstand erst viele spezifisch deutsche Entwicklungen im sozialen und kulturellen Bereich. Kulturwandel wird deshalb, wie eigentlich schon immer, die Beantwortung der Frage sein, wie wir und jeder einzelne in Zukunft leben will.
Autor: Helge W. Steinmann alias BOMBER. Frankfurts Graffiti-Legende ist seit über 30 Jahren wohl die Institution in Sachen Urban Art, Street Art und Stylewriting/Graffiti. Seinem Credo folgend „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum.“ gehört sein Spaß am haptischem Tun zu seinem Alltag.”
Und weiterhin um die Frage nach der Veränderung zu beantworten. Verändert hat sich sehr viel und sehr wenig. Es ist mehr Graffiti dazugekommen: Qualität und Talente, aber auch viel Einfallsloses. Graffiti ist eben auch immer Spiegel dessen was gesellschaftlich von den so genannten Massenmedien projiziert wird.
Dazu kurz das Phänomen Banksy, das als massenmedial projiziertes Rolemodel die Begrifflichkeit Graffiti verändert, hin zu einer pädagogisch nutzbaren sozialkritischen Aussage. Banksy stellt ja das Idol des so genannten „wilden Sprayers” dar: weltweiter „Fame” bzw. Reputation mit seinem Pseudonym (Pseudo=Falsch, Nym=Name), ohne seine tatsächliche Person dahinter zu offenbaren.
Und genau darin liegt ja auch die Crux dieser Story. Das ist eben auch ein Widerspruch in sich und kann gar nicht sein.
Weil ja eben auch alles Kommunikation ist, kann man daraus auch die zielführende Idee erkennen: Die Übernahme der Begrifflichkeit Graffiti. Fort von Schrift-dem Stylewriting hin zum sozialkritischen Bild als Stencil/Pochoir. Eben auch hier erkennt man daduch die gelenkte Steuerung der Massen durch de Deutungshoheit der Massenmedien.

 

6 ) Stichwort „der urbane Raum gehört allen“: Ist Graffiti / Stylewriting und/oder Streetart politisch? Oder anders gefragt: wann ist es (jeweils) politisch?
Definitiv. Der Akt des so genannten „wilden” Graffiti ist ja in sich schon politisch. Ich erachte per se, jede künstlerische Aktivität die sich auch soziologisch bzw. im gesellschaftlichen Raum betätigt als politisch. Nail-Artistinnen vielleicht nicht gerade …
Und ganz sicher sind die Ideen, die in den USA entstanden hochpolitisch. Hip Hop und die Nutzung des öffentlichen Raums durch z.B. Skateboarding, Graffiti/Stylewriting, wilde Block Parties, DJing, Breakdance/B-Boying etc. als Spielplatz und Gestaltungsfläche trägt natürlich explosives Gedankengut in sich und ist nur schwer wieder aus der Welt zu schaffen: Statt es als Lösung für eine neue Gesellschaft anzusehen, werden diese Themen verkriminalisiert, feste Orte dafür verankert (obwohl das der Idee komplett widerspricht) und werden dann zu sozial- und kunstpädagogischen Instrumenten umfunktioniert. Denn erst, wenn das in staatlicher Verwaltungshand passiert, entsteht vielleicht eine Wertigkeit dahinter.
Nicht umsonst beisst sich die deutsche Verwaltung fast 40 Jahren daran fest, daß Thema einzudämmen. Würde man die Gelder die in die Verhinderung gesteckt werden, in Bildung und echte Kulturförderung stecken, wir hätten eine wesentlich gesündere Gesellschaft.
Das die Verwaltung sich dieses Themas bemächtigt (siehe z.B. Naxos-Halle) ist nicht nur unfassbar wettbewerbsverzerrend, sondern schlichtweg Lenkung und Kanalisierung an uns Bürgern, die wir das dann auch noch aus Steuergeldern zahlen dürfen. Der Bedarf an Möglichkeiten für den mündigen Bürger seine Umwelt mitzugestalten ist sicherlich enorm und der tatsächliche Bedarf an Freiheiten und ungesteuerten Orten in der Realität ist aber mit Sicherheit noch größer.
Beispiel: Wir wohnen an einem Baumarkt. Der dazugehörige Parkplatz ist riesig und wird nachts von Jugendlichen zum Party machen und auch tagsüber von Familien zum Fahrrad üben etc, genutzt.
Dass Wort Stadtplanung ist ebenfalls ein Widerspruch in sich, da uns Bürgern sozusagen eine Nutzung des Raums vordefiniert wird; wir es also nicht selbst entscheiden können, was wo für was genutzt werden kann.
Und: Urbaner Raum-was soll das sein? Natürlich gibt es nur den EINEN Raum-eben die Erde als die einzige Welt aller uns bekannten Lebewesen. Alle anderen Unterscheidungen und Einteilungen sind rein menschgemacht und dienen der Verwaltung und der Wertgenierung als Korsett für die Massen.
Und weiterhin zum Thema Street Art. Street Art und die meisten hochkantigen formatierten Murals sind Marketing, respektive Stadtmarketing und dienen keinerlei politischem Widerstand, sondern agiert eher dekorativen und soziologischen Zwecken/Soziomarketing bzw. Massen-Konditionierung.
Ich selbst durfte ja 2010 mit dem Höchster Leunabunker ein sehr großes Artwork, mit 1.600 qm mit Sicherheit eines der größeren Street Art Murals in Hessen gestalten. Wie das Handling dazu mit Stadt und EU-Fördergeldern ablief würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

 

7 ) Wäre es aus deiner Sicht eine gute Sache, wenn mehr Wände zum sprühen freigegeben würden?
Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, Graffiti nicht als Problem, sondern als Möglichkeit zu betrachten.
Das Problem ist auch die Begrifflichkeit bzw. was als Graffiti definiert wird. Nehmen wir zum Vergleich das Thema Trompete. Ein Kind, daß zum ersten Mal eine Trompete spielt, wird niemand als Trompeter bezeichnen wollen. Hingegen wird ein Kind oder Jugendlicher, der zum ersten Mal sprüht automatisch als Graffitisprüher tituliert und in eine Riege mit zum Beispiel altgedienten Hasen wie mir im Sammelbegriff Graffiti geführt.
Ein weiteres Streitobjekt ist der Raum: Stellen Sie sich vor, sie dürften nur auf einer Fläche von 10 x 10 m mit ihrem Mountainbike fahren. Sie würden sich fragen, was hier los ist. Eben genau, diese Raumfrage stellt sich für Graffitikünstler ständig. Die Farbsprühdose ist ein grobes Instrument und eben keine Airbrush. Deswegen gebe ich bei meinen Jochen-Schweizer-Workshops und auch den Firmen-Incentivs und Events immer kleine Flächen von ca. 60 x80 cm oder 80 x 100 cm auf Leinwand vor, auf denen dann gesprüht werden darf. Denn freihand klein zu agieren ist schwer. Wer das dann geübt und verinnerlicht hat, kann später locker groß sprühen. Denn großformatig zu sprühen ist wesentlich einfacher als sehr klein.
Und: Verwaltung kann nur Verwaltung …Über Freigaben und Erlaubnisse sind wir schon lange hinaus. Wie auch in der Drogenpolitik hat eine Verkriminalisierung wenig bis nichts bewirkt. Wie wäre es mal mit Um- bzw. Nachdenken?  Alleine die BGB-Gesetzesänderung des Tatbestands der Sachbeschädigung hat vermutlich wenig Wirkung gezeigt. Dafür ist einfach ein echter Bedarf vorhanden, sich auszudrücken. Mir wurde mal gesagt. Graffiti sei ein pädagogisches Problem. Ich würde es anders sehen: Die Pädagogik ist das Problem. Das was wir als Bildungssystem verkauft bekommen ist im Grunde nur eine Beurteilungsmaschinerie die niemanden (weder Lehrkräfte noch Schüler) zufrieden macht, sondern nur gefügige Menschen produzieren möchte.
Da sollte angesetzt werden. Was da verzogen wird, sind gierig konditionierte Heuchler allererster Kajüte und was passiert, wenn alles vermeintlich Negative eingedämmt und eliminiert werden soll, erleben wir ja gerade an unserer Gesellschaft. Eine Menge Depressionen und viele Dauerlächler, die eine Maske tragen und innerlich tieftraurig sind.
Ich finde es erstaunlich, daß mir solche Fragen gestellt werden. Ich agiere jetzt über 35 Jahre mit der Farbsprühdose als Gestaltungsmittel, ebenso wie viele andere in Deutschland. Die Fragen haben sich seit dieser Zeit kaum verändert. Die Gesetze gegen so genanntes illegales (besser„wildes”) Graffiti wurden verschärft. Mit dem Ergebnis, daß wildes Graffiti immer noch da, stärker denn je.
Immer dreht es sich um soziale Aspekte, selten um die Kunst bzw. die Gestakltung als Form selbst. Im Gegenteil, es darf keine Wertigkeit erfahren. Wir sollen dankbar sein, das wir Pinkelecken wie z.B. Riederhöfe oder in Mainz Kastel den Brückenkopf zum trainieren bespielen dürfen. Ist das der kulturelle Platz, den uns die Gesellschaft zur Verfügung stellt? Unfassbar peinlich.
Was auch stattfindet ist eine Pauschalverurteilung von Menschen, die Graffiti erstellen und eine Verfehmung des Werkzeugs Farbsprühdose. Was hier der Bevölkerung vorgespielt wird ist unglaublich. Framing de Luxe. Kinder bekommen früh eingepläut, daß Graffiti negativ besetzt und grundsätzlich verboten ist. Wer denkt sich so einen Nonsens aus?
Und:
Überall hat es Präventionsräte und Kriminalpädagogen, die von der Materie so viel Ahnung haben, wie ein Eunuch vom Geschlechtsverkehr.
Für mich stand es nie zur Debatte, ob Graffiti Kunst sei oder nicht. Es war klar, daß es Gestaltung darstellt und Teil des menschlichen Ausdrucks ist, eben eine Urform der Kommunikation.

 

8 ) Wo kann man in Frankfurt Sachen von dir bewundern? Was sind deine aktuellsten Werke, die in Frankfurt (oder Rhein-Main-Gebiet) sichtbar sind?
Dazu bitte auf meine website www.bomber.de oder auf google (da steht dann bald eh alles) gehen. Überhaupt: Die Freiheiten, die im realen, analogen Raum fehlen sind schnell digital erstellt. Daher wäre es schön, wenn wir als Bürger mehr Freiheiten, sprich, mehr Eigenverantwortung zurückbekämen. Traut uns!
 
Vielen Dank für deine Zeit 🙂
 
Aktive Kunst / Art Vivant

Drum prüfe, wer sich ewig nach oben bewege …

Drum prüfe, wer sich ewig nach oben bewege …

Es gibt ja online mittlerweile so viel Content für den die Beschreibung »heisse Luft« noch als Lob zu bezeichnen wäre. Hier mal eventuell vielleicht etwas mit Hirn und Sinn:
Am Freitag, 04.08.2023 durfte ich als einziger Graffiti Artist/Street Artist ab 8:00 Uhr an einer Hub- und Arbeitsbühnenschulung und -führerscheinprüfung bei Schmidt Arbeistsbühnenverleih in Neu Isenburg teilnehmen. Hintergrund ist, daß ich für Schott Light- und Imaging in Mainz ein künstlerische Indoorfassadengestaltung bis auf ca. 8 m Höhe realisieren darf und auf dem Betriebsgelände niemand so einen Steiger ohne diesen Führerschein fahren darf. Nicht daß ich keinerlei Erfahrung im Steuern der Geräte hätte – im Gegenteil. In über 35 Jahren internationaler Erfahrung im Gestalten mit der Farbsprühdose auf Fassaden und Wände fuhr schon sehr viele unterschiedliche Maschinen, zuletzt für einen 30 x 6 m Job auf Malta. Teils unfassbar alte Möhren, teils hochmoderne Teleskopausleger und Cherrypicker, die ich, im Nachhinein festgestellt, auf abenteuerliche Weise bedienen durfte. Mein Vorurteil wurde teils bestätigt, teils widerlegt.
Bestätigung: In Deutschland wird aus jedem Klimbim eine Prüfung, eine Vorschrift oder ein Ausbildungsberuf ;-). Widerlegung: Im Kurs erfuhr ich tatsächlich eine Menge, die ich so nicht erwartete. Prüfer Norbert Langer erklärte kompetent was für Gefahren bestehen, warum Wind gefährlich sein kann, warum man sich festgurten sollte und was ein Notfallplan ist. An Beispielen zeigte, wie entscheident der Untergrund ist auf dem so ein Steiger stehen sollte und wo an dem Gerät die Hauptinformationen über Traglast und weitere wichtige Informationen stehen.
Ich kann also die so genannte IPAF Prüfung nur empfehlen.
Danke an Norbert Langer bei Schmidt Hub- und Arbeitsbühnenverleih in Neu-Isenburg. Das Unternehmen verleiht seit 1969 Hub- und Arbeitsbühnen und hat einen riesigen Fuhrpark, deren Teleskopausleger bis auf 72 m (!!!!) reichen.
Top!

 

So check, who’s moving up forever …

 

There is now so much content online for which the description „hot fart“ could still be described as praise. Here’s something that might make sense: On Friday, August 4th, 2023, I was the only graffiti artist/street artist allowed to take part in a lifting and working platform training course and driver’s license test at Schmidt Arbeitsbühnenvermietung in Neu Isenburg from 8:00 a.m.
The background is that I am allowed to realize an artistic indoor facade design for Schott Light and Imaging in Mainz up to a height of approx. 8 m and that nobody is allowed to drive such a climber on the company premises without this driver’s license. Not that I have no experience in controlling the devices – on the contrary. In over 35 years of international experience in designing with aerosol paint cans, I have already driven many different machines, most recently for a 30 x 6 m job in Malta. Some incredibly old carrots, some state-of-the-art telescopic booms and cherry pickers, which I found out afterwards that I was allowed to operate in an adventurous way.
My prejudice was partly confirmed, partly refuted. Confirmation: In Germany, every little thing turns into an exam, a regulation or an apprenticeship ;-). Rebuttal: In the course I actually learned a lot that I didn’t expect.  Inspector Norbert Langer competently explained what the dangers are, why wind can be dangerous, why you should strap yourself in and what an emergency plan is.
Examples showed how crucial the ground is on which such a climber should stand and where the main information about the load capacity and other important information is located on the device. So I can only recommend the so-called IPAF test. Thanks to Norbert Langer at Schmidt lifting and work platform rental in Neu-Isenburg.  The company has been renting out lifting and working platforms since 1969 and has a huge fleet of vehicles with telescopic booms that reach up to 72 m (!!!!).
 
Top!
 
 

 

Aktive Kunst / Art Vivant

Aufkleber Frauenfußball

Aufkleber Frauenfußball

Passend zur laufenden Frauenfußball-WM habe ich einen Aufkleber gestaltet. Hintergrund ist ein Motiv, daß ich bei einem Plakatwettbewerb der FIFA 2010 einreichte, ohne je eine Reaktion zu erfahren. Siehe auch hier: https://www.bomber-graffiti.com/blog/2011/05/fifa-frauen-wm-deutschland-2011-poster/
Der Aufkleber hat die Größe 9 x 9 cm, rund, Weißer Background, Text: »women get up faster after a foul …« (Frauen stehen wieder schneller nach einem Foul auf …). Grund dafür war für mich, da ein Kumpel beim Schauen einen Frauenfußballspiels festellte, daß es im Gegensatz zu männlichen Fußball dort kein minutenlanges Herumwälzen und Pseudojammern gibt. Vermutlich nervt nicht nur uns das ständige Theater der männlichen Fußballerriege, die extra Falltraining machen, damit sie noch spektakulärere Fouls inszenieren können.
Erhältlich ist der wasserfeste PVC-Sticker in meinem Atelier oder via Ebay: https://www.ebay.com/itm/115829921520

Sticker women’s soccer

I designed a sticker to match the current Women’s World Cup.
The background is a motif that I submitted to a FIFA poster competition in 2010 without ever getting any reaction.
See also here: https://www.bomber-graffiti.com/blog/2011/05/fifa-frauen-wm-deutschland-2011-poster/
The sticker is sized 9 x 9 cm, round, white background, text: »women get up faster after a foul…«.
For me, the reason for this was that a friend of mine, while watching a women’s soccer game,
noticed that, in contrast to male soccer, there was no tossing and turning and pseudo-wailing for minutes.
We’re probably not the only ones who are annoyed by the constant drama of the male soccer team,
who do extra fall training so that they can stage even more spectacular fouls.
The waterproof PVC sticker is available in my studio or on Ebay: https://www.ebay.com/itm/115829921520
 

 

 

 

Allgemein

Bürgerliche Existenz ./. (vs.) Selbstständigkeit

Niko, die Laus 2022
Bürgerliche Existenz ./. (vs.) Selbstständigkeit
Darf ich einschlägigen Medienberichten glauben schenken, folgen ja angeblich Menschen eher Machern, denn Meckerzauseln. Ich freue mich, wenn mir niemand folgt. Denn wir sehen wohin uns Folgen führt. Zu noch mehr konformen Menschen. Da bin ich dann doch gerne lieber Zausel, denn Macher, obwohl ich das schon immer bin; Macher, aber auch Meckerer. Lieber den eigenen Weg gehen, als den ausgelatschten Pfad der Bequemlichkeit. Konformität hat nur ein Gesicht. Individualität viele …
Aber zum eigentlichen Thema, der tradierten und auch gesteuerten Nummer. Traditionen sind uns Halt und vielen tatsächlich auch mehr als das. Karneval, Silvester, Ostern oder aktueller; Weihnachten zum Beispiel ist so ein nettes Beispiel bei dem sich die immergleichen Rituale widerholen. Seien es die Rundmails/Whatsapps/Blubbereien/Karten wie sehr man dem anderen seine gute Weihnachtszeit im Kreise der Famile etc. wünscht oder wie sehr man inne hält usw. Puh, nicht nur Papier ist geduldig. Auch Server.
Kann und muss man das wirklich jährlich ertragen?
Nein.
Man kann auch anders. Der Grinch ist ein gutes Beispiel. Aber Antiweihnachten ist auch nur Weihnachten-ähnlich einem Satanisten, der auch nur an Gott glaubt und an dessen vermeintlichen Gegenspieler. Das ist großer Glaube.
Sie kennen das? Man verlässt die vermeintliche Sicherheit eines Angestelltenverhältnisses um eine Selbstständigkeit zu beginnen? In Deutschland verlässt man mit diesem Schritt die so genannte bürgerliche Mitte bzw. besonders ängstliche Zeitgenossen würde behaupten man setzt seine Existenz aufs Spiel – so der möglicherweise unausgesprochene Kanon des Großteils der Bevölkerung. Warum das so ist, und warum das nicht hinterfragt wird ist eine Frage der Bildung, der Persönlichkeitsbildung und der Elitisierung so genannter Freiräume. Pauschal ausgesprochenes Beispiel: In Schulen im Frankfurter Stadtteil Höchst bekommen die Schüler mehrheitlich migrantischen Ursprungs, den Hinweis zu funktionieren und somit zu dienen. Genau entgegengesetzt bringt man den Kids in der Hofheimer Montessori Schule bei, Regeln zu brechen und aufzubegegehren. Letztere empfiehlt Freiräume im Denken und Handeln. Monatlicher Betrag für einen Schulbesuch liegt in Hofheim bei schlappen 500,-/Kind pro Monat. Die Schule in Höchst kostet keinen Beitrag.
Was sagt uns das? Kids aus wohlhabendem Haus sollen Normbrecher werden, während andere Angst haben sollen und funktionieren. So unfassbar fest verankert wurde die Angst auf einen selbstgewählten Weg, daß den Mut dazu nur noch wenige haben. Um so mehr, da in momentanen Zeiten das angestellte unselbstständige Arbeiten bequemer geht, denn je: von zuhause. Sozusagen Selbständigkeit auf Probe und Vertrauensvorschuss de luxe. Oder ist es doch das Ende der Arbeit und ihr Neubeginn?
Und um so mehr die Angst nach sozialem und vor allen Dingen finanziellem Abstieg weiter gepusht wird. „In der Sicherheit des Konzerns oder der Institution mümmelt es sich dann halt doch wesentlich bequemer. ” So würden tatsächlich auch Kaninchen antworten …
Kaum arbeitet man bei einem Unternehmen funktioniert vieles einfacher, das Finanzielle ist kaum mehr ein Problem. Sobald man aber selbstständig agiert wird alles anders, nichts funktioniert einfach mal so schnell, sondern vieles wird verschoben, abgesagt, man wird im Preis zu unfassbaren Konditionen gedrückt usw.
Woran liegt das? Liegt das daran, daß wir einer Gruppe von Menschen mehr zutrauen als einem einzelnen? Ein Einzelner muss alles succesive lösen, also alles nacheinander, Schritt auf Schritt. Dagegen kann ein Mehr-Personen-Unternehmen durch seine Mitarbeiter zeitgleich mehrere Prozesse durchführen.
Oder liegt es an … (bitte selbst erforschen …) ?
Wir erleben tatsächlich eine Transformation (auch wenn ich dieses Wort als abgeschmackt empfinde und es als inflationär genutzt verachte) des Arbeitslebens, nur leider keine wirkliche, denn Unternehmen versuchen momentan ihre Mitarbeiter aus dem Homeoffice wieder in die Hasenställe, den Leerstand der Verwaltung, den Büros zurückzulocken. Dies mit teils bizarren Methoden und Strategien. Eine echte Transformation beinhaltet doch eben keine Augenwischerei in Form einer netten Anpassung der Büroräume mit Deko, Spiel und Spaß, sondern eine wirkliche Veränderung der Arbeitswelt, in dem Menschen eine selbstgewählte Strategie ihres Ein- bzw. Auskommens erwirtschaften dürfen. Zu sehr noch, wird da in althergebrachten tradierten Mustern gedacht.
Büroleerstand haben wir en mass. Was fehlt sind bezahlbare kleine Hallen für neue Selbstständige und mutige Menschen.
New Work
Was vielen nicht klar ist, woher der Begriff Bürger rührt. Natürlich vom Begriff Burg (»My home is my castle!« sagt man heute noch im Vereinigten Königreich). Man igelt sich ein, sammelt Material und verteidigt dieses mit Mit(be)wohnern nach außen, gegen andere. Heutzutage gründet man eine Familie und sitzt wie viele andere in so genannten Reihenhäusern, einer Art quergelegter Hochhäuser mit erweitertem Balkon in dem das gegenseitige Beobachten und der Nachbarschaftsneid auf den neuen E-SUV etc. standard ist und der die drei Quadratmeter Vorgarten als Burgfried oftmals vom Nachbarhund, den Nachbarkindern oder deren Katze frech und dreist überwunden wird. Aber natürlich existieren auch Freundschaften über die Zaungrenze hinaus.
 
Experience vs Gefolgsamkeit
 
Eure Welt glänzt 100.000 mal in der Sekunde, aber meine Augen sind geschlossen … (Absolute Beginner)
Ich wünsche mir für 2023 weniger Controlling, weniger Consulting, weniger Coaching, weniger Angst, weniger Verwaltung und mehr Mut der Bürger, mehr Eier, echte Kreativwirtschaft und weniger Kapitalgeschäfte ohne Sinn.
 
ROHES FEST
Allgemein

Auf der Schulter von Giganten

Vandalism Calvin & Hobbes © Bill Watterson

Auf der Schulter von Giganten

 

Klar, es gibt mometan sicher wichtigeres als Graffiti Art/Street Art, aber liest man sich den ganzen Nonsens des angeblichen Kunstmarktes durch waren Banksy und Shepard Fairey Pioniere des Graffiti und der Street Art, ähnlich der heutigen Vorstellung von Kids, die mir erzählen, daß Tupac Shakur ein Vertreter der Oldschool des Rap/Hip Hop sei. Ah, jaaaaaa?
Was ist hier los? Wo blieben die Richtigstellungen? Kann man heutzutage einfach Scheiße behaupten und es manifestiert sich dadurch?
Natürlich sind dererlei Behauptungen absoluter Hirnriss und wenn wir das als Wissende zulassen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn sich andere obskure Figuren einfach davor positionieren. Das kann man dann schon mit »Die Butter vom Brot nehmen« titulieren. Medien und Journalismus haben meiner Meinung nach die Aufgabe zeitlich korrekte Abläufe zu dokumentieren, wahrheitsgemäß zu recherchieren und den Inventoren ihren Stellenwert im zeitlichen Ablauf zu sichern. Das scheint irgendwie die letzten 10 Jahre komplett abhanden gekommen zu sein.
Dubiose so genannte „Unternehmer“ scheinen sich auszubreiten und ihre vermeintlichen Kunstsammlungen der unwissenden Bevölkerung als Werte (s.o.) zu präsentieren und die von uns allen aus Kulturmitteln geförderten Institutionen wie Museen öffentliche Sammlungen spielen diesen Kindergarten noch mit und stellen diesen Müll auch noch aus. Banksy und Shepard Fairey z.B. haben nichts mit Pionieren sondern nur mit medialem Hype zu tun. Ebenfalls werden Akteure aus lokalen Umfeldern gerne als Ikonen von Institutionen und deren medialen Anhängen positioniert, von denen auch noch nie jemals eine wirkliche Bereicherung dieser Kunstrichtung ausging, geschweige denn ein eigener Stil zu erkennen gewesen wäre …
Schluß damit: Die echten Pioniere von modernem Graffiti und Street Art sind ganz andere. So z.B. Cornbread, Taki 183, Blek le rat und unfassbar viele andere, um mal aus meinem Wissensgrad über wirkliche Ursprünge zu berichten und selbst ich würde mir nicht anmaßen zu sagen, daß diese Info wirklich korrekt ist, da ich damals noch gar nicht geboren war oder noch Kind war.
Viele von uns Graffiti- und Street Artists stehen heute auf Schultern von Giganten, eben den echten Pionieren. Ich bin stolz und froh so einer Bewegung schon seit über 30 Jahren angehören zu dürfen und  sie mitgeprägt zu haben. Banksy und Shepard Fairey sind da jedenfalls nicht dabei gewesen. Die sind Medienrummel und Connection, denn viele von uns haben ein komplett anderes Verständnis von dem was Kunst ist. Gut für das Thema Graffiti ist der Rummel dennoch, auch wenn die positionierten Rolemodels den pädagogisch implementierten Kurs klar vorgeben sollen: Klare Aussagen mit klar kommunizierbarem Inhalt, daß von allen sofort auffasbar sein soll. Und hierbei gehts nur um eins: Verwertbarkeit.
Don’t believe the hype … © Public Enemy

 

Standing on the shoulder of giants

If you read through all the nonsense of the alleged art market, Banksy and Shepard Fairey were pioneers of graffiti and street art, similar to today’s kids‘ idea that Tupac Shakur, for example, was an old-school rap/hip-hop representative.
What’s going on here? Where are the corrections? Can you just say shit these days and it manifests through that? Of course, the above claims are absolute brain teasers and if we, as those in the know, allow this, we shouldn’t be surprised if other obscure figures simply position themselves in front of them. You can call that „taking the butter off the bread“.
In my opinion, the media have the task of documenting chronologically correct processes and ensuring that the inventors have their place in the chronological process. That somehow seems to have been completely lost in the last 10 years.
Dubious so-called „entrepreneurs“ seem to be spreading and presenting their supposed art collections to the ignorant population as values ​​(see above) and the institutions such as museums and public collections that we all support from cultural funds are still playing along with this kindergarten and are still exhibiting this rubbish. Banksy and Shepard Fairey, for example, have nothing to do with pioneers but only with media hype. Actors from local surroundings are also often positioned as icons of institutions and their media attachments, from which a real enrichment of this art movement has never emanated, let alone their own style could have been recognized …
No more: The real pioneers of modern graffiti and street art are completely different. For example Cornbread, Taki 183, Blek le rat and an incredible number of others, to report on the real origins from my level of knowledge and I wouldn’t presume to say that this information is really correct. Because I wasn’t even born at that time or was still a child.
All of us graffiti and street artists today stand on the shoulders of giants. In any case, Banksy and Shepard Fairey aren’t there. It’s media hype and connection because many of us have a completely different understanding of what art is. Nevertheless, the hype is good for the topic of graffiti, even if the positioned role models should clearly set the pedagogically implemented course: Clear statements with clearly communicable content that should be immediately understandable by everyone. And this is all about one thing: usability.
 
 
Don’t believe the hype … © Public Enemy
Allgemein

011122

011122

Von kaum jemanden bemerkt, erscheint das heutige Datum tatsächlich unfassbar einmalig: 011122.
Fast noch schöner ist es dann genau in einem Monat: 011222.
Feiert am besten diese Tage … so besondere kommen eher selten.

 

Hardly noticed by anyone, today’s date actually seems incredibly unique: 011122.
It’s almost even nicer in exactly one month: 011222.
It’s best to celebrate these days … something so special is rare.
B-Boys, Breaks & Battles 2006 Tagging © Bomber

 

St. Hip Hop 2006 © BOMBER
The Joy of writing Bo(m)b Ross 2006 Tagging © BOMBER
Aktive Kunst / Art Vivant

Tage der offenen Ateliers Hofheim 2022

Tage der offenen Ateliers 2022

Ganz schon schizophren, oder nicht? Zum Thema Verantwortung und Nachhaltigkeit: Gehe ich als Sachbeschädiger wild raus und gestalte unerlaubt Flächen setzt sich eine Armada der Verwaltung in Bewegung um mich zur Verantwortung zu ziehen.
Umgekehrt dürfen Groß- und Kleinkonzerne und Unternehmen die Welt mit ihren Produkten »zuscheissen«, nahezu unbeheligt und beinahe ganz ohne sich um die Entsorgung ihrer Erzeugnisse (Verpackung etc.) kümmern zu müssen. Und dies auch noch, obwohl sie in den meisten Ländern in denen sie dadurch einen Gewinn erzielen, nicht mal Steuern zahlen müssen. Im Gegenteil, sie werden dafür noch gefeiert und mit Steuerfreiheit bzw. -entlastung oder gar Kapital belohnt.
»Halt, Halt, Halt … !», höre ich da schon einige schreien. »Dadurch werden Arbeitsplätze gesichert!«
Ich würde kontern: »Es würden aber noch mehr Arbeitsplätze gesichert werden, wenn die Entsorgung, sprich die Verantwortung an den Urheber zurück gegeben wird (wie bei mir als vermeintlich sachbeschädigenden Verursacher s.o.) in vernünftige Bahnen gelenkt werden würde und es würden noch mehr gesichert, wenn sie ihre Gewinne auch dort versteuern wo sie gemacht werden.«
Und klar, dass das nicht den Sitz des Unternehmens darstellen sollte, sondern der tatsächliche Verkaufs- bzw. Tauschort.
Ein leidiges Thema, das anscheinend nicht gerne angegangen wird. Wo bleibt die Polizei der Pflanzen- und Tierwelt?
Um die Kurve zu bekommen, warum ich das schreibe, möchte ich meinen Eintrag des Flyers der diesjährigen Tage der offenen Ateliers in Hofheim anpreisen.
Wer jetzt meint, das sei ihm zu anstrengend und das gehe ihn nichts an, hat den Schlag nicht gehört. Sicher wollen wir nicht verhungern, aber ist das wirklich sinnvoll, alle 500 m Supermärkte zu haben, die vor einer Produktvielfalt strotzen, daß man völlig überfordert davor steht?
Wo sind die Konzepte, die eine sinnvolle Versorgung garantieren ohne eine Müllflut zu produzieren, die ihresgleichen sucht?
Wer einen Blick in die Weltmeere wagt, sieht wohin uns die letzten 40 Jahre Überproduktion geführt haben.
Ich biete kein klischeehaftes selbstverliebtes Atelierbeschauen mit Knabberzeugs, Kuchen und netten harmlosen Gesprächsgeplänkeln an, sondern möchte zu einem offenenen und unverkrampften Forum zur losen Unterhaltung dieses echten Dilemmas einladen.
Kunst war und ist immer schon politisch und das nicht nur in Deutschland-alles andere ist Deko oder Hausfrauenmalerei. Siehe z.B. Friedensreich Hundertwassers Engagement oder Josef Beuys, der unter anderem Gründungsmitglied der Grünen war.
fridays for future? Jede Initiative zählt!
Willkommen:
Sonntag 06.11.22, 11.00 – 18.00 Uhr.
Adresse: Atelier Bomber im Seat Autohaus Petri/Kaufmann & Göthling, Casteller Str. 95a, 1. Stock.
65719 Hofheim

 

Days of open studios 2022

Quite schizo, isn’t it? On the subject of responsibility and sustainability: If I go wild as a property damager and design areas without permission, an administration armada will set off to hold me accountable.
Conversely, large and small corporations and companies are allowed to »shit up« the world with their products, almost unmolested and almost entirely without having to worry about the disposal of their products (packaging, etc.). And that’s without having to pay taxes in most of the countries where they make a profit. On the contrary, they are celebrated for it and rewarded with tax exemption or -dismissal or even capital.
»Stop, stop, stop … !«, I can already hear some screaming. »This secures jobs!« I would counter: »But even more jobs would be secured if the disposal, i.e. the responsibility was given back to the originator (as in the case of me as the alleged causer of property damage, see above) were steered in a sensible direction and even more jobs would be secured if they also tax their profits where they are made. «
And it goes without saying that this should not represent the company’s headquarters, but the actual place of sale or exchange.
It’s a tiresome topic that doesn’t seem to like being tackled. Where are the plant and animal police?
To get the hang of why I’m writing this, I’d like to promote my flyer entry for this year’s Open Studio Days in Hofheim. I’m not offering a clichéd studio tour with snacks, cake and nice, harmless banter, but would like to offer an open and relaxed forum for loose conversation about this real dilemma.
Art was and is always political and not only in Germany – everything else is decoration or housewife painting. See, for example, Friedensreich Hundertwasser’s commitment or Josef Beuys, who was, among other things, a founding member of the Green Party. Anyone who now thinks that this is too exhausting for him and that is none of his business has not heard the blow. Of course we don’t want to starve, but does it really make sense to have supermarkets every 500 m that are bursting with a variety of products that you’re completely overwhelmed by? Where are the concepts that guarantee a sensible supply without producing a flood of waste that is second to none?
If you dare to take a look at the world’s oceans, you can see where the last 40 years of overproduction have taken us. fridays for future? Every initiative counts!
Welcome: Sunday 06.11.22, 11.00 a.m. – 6.00 p.m. Address: Atelier Bomber in the Seat Autohaus Petri/Kaufmann & Göthling, Casteller Str. 95a, 1st floor. 65719 Hofheim

 

 

Tage der offenen Ateliers Hofheim 2022
#greenpeace #fridaysforfuture #kunstundpolitik #aktivekunst #artvivant #hofheimamtaunus #atelierbomber
Aktive Kunst / Art Vivant

Biking saves the planet …

Biking saves the planet …

Selbst beigeisterter biker, durfte ich am 30.05.2022 vor der Skatehalle, nähe Schlachthof Wiesbaden in deren Räumen die Preisverleihung des Schulradlens stattfand, live vor Publikum den Hauptpreis gestalten: Eine 160 x 120 cm Keilrahmen-Leinwand mit meiner künstlerischen Interpretation des Themas Radeln in Street Art Optik, wie immer freihand gesprüht: »Biking saves the planet …«
Tarek el Wazir, seines Zeichens Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen und Stellvertreter des Hessischen Ministerpräsidenten überreichte den Preis der Gewinnerschule und erkundigte sich ebenfalls nach der Veranstaltung nach der Realisierung des Artworks.
Der Wettbewerb zählt zum Angebot des Fachzentrums Schulisches Mobilitätsmanagement, das das Land Hessen bei der ivm eingerichtet hat Der Wettbewerb wird unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft NahmobilitätHessen (AGNH) vom Hessischen Wirtschaftsministerium gemeinsam mit dem Integrierten Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region Frankfurt RheinMain (ivm) und dem Klima-Bündnis durchgeführt und ist eingebettet in die Klima-Bündnis-Kampagne STADTRADELN.
As an enthusiastic biker myself, I was allowed to design the main prize live in front of the audience on May 30th, 2022 in front of the skate hall near Schlachthof Wiesbaden, where the award ceremony for school cycling took place: A 160 x 120 cm stretcher frame canvas with my artistic interpretation of the topic of cycling in street Kind of look, sprayed freehand as always: »Biking saves the planet …
Tarek el Wazir, Hessian Minister for Economic Affairs, Energy, Transport and Housing and Deputy Prime Minister of Hesse, presented the award to the winning school and also asked about the realization of the artwork after the event.
The competition is part of the offer of the specialist center for school mobility management, which the state of Hesse has set up at ivm Climate Alliance and is embedded in the Climate Alliance campaign CITY CYCLING.